Jerzy Wittlin
Die Familie gibt ihrer Freude über die Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen mit den Verwandten Ausdruck

Ihr Lieben!
   Welche Freude herrscht in unserem Haus! Ihr habt Euch endlich entschlossen, zu uns zu kommen. Nach so vielen Jahren der Trennung werdet Ihr in wenigen Tagen bei uns sein - es gibt keine schönere Überraschung.
   Unsere ganze Wohnung steht Euch zur Verfügung, Ihr Lieben! Und dazu hat uns diese freudige Nachricht von Euch noch in einem Moment erreicht, da wir des Trostes besonders bedürfen. Unser Sohn Bolek nämlich, der so groß geworden ist, daß Ihr ihn nicht wiedererkennen werdet, hat sich wahrscheinlich in der Schule den Typhus geholt und liegt zu Hause, weil wir ihn auf keinen Fall ins Krankenhaus geben wollen.
   Unsere Tochter Agnieszka (ebenfalls groß und schön geworden, Eure Tereska, die wir mit großer Freude sehen und ans Herz drücken werden, bekommt in ihr eine prächtige Spielkammeradin) liegt seit einer Woche mit Typhusverdacht, doch die Ärtze meinen, es könnte vielleicht etwas noch Schlimmeres sein.
   Unser Zimmer mit der winzigkleinen, aber gemütlichen Küche wird Euch bestimmt gefallen, obwohl es noch nicht renoviert ist, und die Renovierung ist nötig, weil sich - niemand weiß, woher die kommen - in der Wohnung Geschwader von Wanzen eingenistet haben, Wir warten mit der Renovierung bis zum Sommer, denn die Zentralheizung funktioniert nicht, die Wände würden also nicht trocknen. Schickt ein Telegramm, mit welchem Zug ihr eintrefft, wir erwarten Euch auf dem Bahnsteig.
   Auf baldiges Wiedersehen! Es küssen Euch ...


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