Gesellschaft für Weiterbildung in der Wasserwirtschaft e. V.
c/o WBBau - Wasser und Umwelt -, Callinstrasse 34, 30167 Hannover


Buchbesprechungen (Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6)

vom 29.11.1997 bis 31.12.1998

 

K. Lecher, Hannover (7.6.1998)

Reihe Angewandter Umweltschutz. Ecomed Verlagsges., Landsberg. 1997. VIII + 167 S. mit 41 Abb. und 17 Tab., karton. DM 48,-.

Durch das Ausbringen von Insektiziden besteht im Rahmen "ordnungsgemä-ßer Landwirtschaft" ein beträchtliches Gefährdungspotential bis hin zur Gefährdung des Trinkwassers. Negative Auswirkungen, zumindest zeitweises Verschwinden von bis zu 3/4 der großen Wirbellosenarten, sind vor allem in kleineren Fließgewässern und quellnah zu erwarten. Dabei sind dies ökologisch wichtige Lebensräume - auch als Rückzugsgebiete notwendig. Die Nachweise durch die Angaben des Autors, erarbeitet im Rahmen eines Sonderforschungsprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), sind wohl erst der Anfang unseres Verständnisses von Wirk-Prozessen und der notwendigen ökotoxikologischen Bewertung. Erstaunlich sind die im Freiland ereignisbezogenen gemessenen Quantitäten. Durch ein breites Methodenspektrum mit Parallel-Messungen, der Simulation innerhalb eines Erosionsmodells, der Verwendung eines Freiland-Expositionssystems kann der Autor die nachgewiesenen Auswirkungen eindrucksvoll untermauern. Einzig verwirrend an diesem Buch sind die durch die Fragestellungen bedingte Detailliertheit der Darstellungen und die nicht immer gegebene sprachliche Klarheit.

S. Stahlberg-Meinhardt, Braunschweig (14.6.1998)

Die Autorin untersucht anhand eines großen staatlichen Bewässerungsprojektes im Süden der Türkei den Einfluß der Organisations- und Entscheidungsstruktur auf das Versalzungsrisiko und die Kontrolle der Bodenversalzung. Zur Anwendung kommt die sog. "Neue Institutionenökonomie". Es wird davon ausgegangen, daß die Institutionen einen entscheidenden Einfluß auf die Nutzung der Ressourcen und damit die Dienstleistung "Versalzungskontrolle" besitzen. Anhand der Fallstudie wird u..a. den folgenden Fragen nachgegangen:

  1. Warum treten bei solchen Monopolunternehmen arider und semiarider Regionen häufig Versalzungsprobleme auf, obwohl die technischen Lösungen seit Jahrzehnten bekannt sind?
  2. Welche Dienstleistungen werden durch die staatliche Bewässerungsbehörde zur Versalzungskontrolle bereitgestellt?
  3. Worauf basieren die Entscheidungen über öffentliche Investitionen in Dränsysteme?
  4. Verbessert die Mitwirkung von Wassernutzerorganisationen an Betrieb und Instandhaltung eines Bewässerungssystems die Bedingungen für eine Versalzungskontrolle?
  5. Welche Auswirkungen besitzen hohe Grundwasserstände und Bodenversalzung auf die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe?

Das Buch vermittelt neue Erkenntnisse zur effizienten Versalzungskontrolle bei großen staatlichen Bewässerungsprojekten und liefert damit einen interessanten Beitrag zur weltweit an Bedeutung gewinnenden Problematik der Versalzung bewässerter Flächen arider und semi-arider Regionen.

B. Rusteberg, Hannover (11.5.1998)

Das Buch umfaßt den Inhalt einer Vorlesungsveranstaltung, die der Autor seit 1992 an der TH Darmstadt hält. Es wendet sich an alle, die sich mit den Grundlagen der mathematischen Modellierung von Strömungs- und Transportvorgängen in Grundwassersystemen beschäftigen wollen. Jeweils ausgehend von einer Beschreibung und mathematischen Formulierung der physikalischen Prozesse werden die resultierenden Grundgleichungen hergeleitet. Für die darin enthaltenen Systemparameter sind Größenordnungen angegeben. Die Vorstellung von Lösungsmöglichkeiten für diese Differential- und partiellen Differentialgleichungen bildet den Schwerpunkt dieses Buches. Neben analytischen Verfahren werden verschiedene numerische Methoden, z.B. finite Differenzen und finite Elemente, nicht nur allgemein aufgezeigt, sondern auch mit Hilfe von einfachen Beispielen nachvollziehbar erläutert. Die Problemfelder numerische Dispersion und Stabilität der Verfahren werden mit behandelt.

Das Buch enthält durchgängig klare und aussagekräftige Abbildungen sowie zahlreiche Beispiele für verschiedene Problemstellungen zur Verdeutlichung der Zusammenhänge. Zum Verständnis der sehr ausführlich dargestellten mathematischen Zusammenhänge ist eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Differentialgleichungen unerläßlich. Die bei den Umformungen verwendeten mathematischen Hilfsmitteln sind in einem gesonderten Kapitel kurz zusammengestellt.

M. Meinken, Hannover (17.2.1998)

Das übersichtliche Inhaltsverzeichnis führt neben läßlichen biogeographischen Angaben zu den wichtigsten Ökofaktoren (Wasser, Boden, Luft, Strahlung, Licht, Temperatur und Radioaktivität), Terrestrischen und Aquatischen Ökosystemen, Umsetzungen in Ökosystemen über populationsökologische Angaben bis hin zur Angewandten Ökologie (= Natur- und Artenschutz) und Anthropogenen Belastungen. Das Register ist dagegen ebenso wie das Literaturverzeichnis knapp gehalten und erschwert damit eigene Recherchen.

Die Tabellen sind i.d.R. übersichtlich und eindeutig beschriftet. Bei einigen fällt das Alter der Quellenangaben bzw. das Bezugsjahr der Angaben auf. Beispielsweise wird der Trinkwasserverbrauch pro Haushalt für 1986, der Urbanisierungsgrad der Landschaft bis 1970 bzw. 1985, das Aufkommen von Haus- und Gewerbemüll für 1985 angegeben. Gerade in solchen Bereichen, die einer starken Entwicklung unterliegen, wäre das Hinzuziehen von Original-Arbeiten und nicht der Standard-Lehrbücher angebracht gewesen. Das Buch insgesamt ist als interessante Informationsquelle sicher nutzbringend und deshalb zu empfehlen.

S. Stahlberg-Meinhardt, Braunschweig (4.2.1998)

Die "Maximierten Gebietsniederschlagshöhen" (MGN) wurden für dreizehn, nach meteorologischen Gesichtspunkten ausgewählte Gebiete Deutschlands aus dem maximierten temperturabhängigen Wassergehalt abgeleitet und in der Folge für das Gesamtgebiet Deutschlands regionalisiert. Das Ergebnis ist in Karten für verschiedene Gebietsgrößen (mit zunehmender Fläche kleinere extreme Regenhöhe), Jahreszeiten und Dauerstufen zusammengefaßt. Der Inhalt der Schrift ist wie folgt gegliedert: Das Datenmaterial / Methodik der PMP-Abschätzung / Der regional ausgeglichene maximierte Punktniederschlag / Der maximierte Gebietsniederschlag / Der jahreszeitliche MGN / Regionalisierung der maximierten Gebietsniederschlagshöhe / Einordnung der Ergebnisse / Zusammenfassung und Ausblick. Die vorliegende MGN-Untersuchung ist eine wichtige Ergänzung des vor kurzem abgeschlossenen umfangreichen Werks KOSTRA.

K. Lecher, Hannover (18.1.1998)

Der Autor, US-amerikanischer Gewässermorphologe, entwickelte anhand hunderter Fließgewässer aller Klimaregionen Nordamerikas eine auf geomorphologischen, hydraulischen und geometrischen Parametern basierende Fließgewässertypologie. Der ursprüngliche Zweck der Arbeit bestand darin, allgemeine Hinweise für die Bewirtschaftung von Einzugsgebieten, für die Renaturierung oder die Gewässerunterhaltung und -pflege zu erhalten. Z.B. sollten folgende Fragen beantwortet werden können:

- Wo liegt die Ursache für das anstehende Problem?

- Wie reagierte das Gewässer?

- Was sind die Konsequenzen für die Reaktion des Gewässers?

- Wie können wir das Problem bereinigen?

- Wie können wir vermeiden, daß das Problem erneut auftritt?

Der Inhalt ist wie folgt gegliedert: Neue Herausforderungen / Fundamentale Grundsätze von Fließgewässersystemen / Fließgewässerklassifikation / Geometrische Charakterisierung / Stufe II: Die morphologische Beschreibung / Stufe III: Einschätzung des Gewässerzustandes und Abstand zum potentiellen Zustand / Stufe IV: Felddaten / Anwendungen. Dem durch die zahlreichen Photos und Skizzen sehr anschaulich gestalteten Buch ist eine weite Verbreitung zu wünschen.

K. Lecher, Hannover (11.1.1998)

Der angezeigte Kommentar zum Bundesnaturschutzgesetz erweitert die in Wissenschaft und Praxis bestens eingeführte Reihe der Kommentare des renommierten Verlags C.H. Beck zum Umweltschutz (gelegentlich auch "weiße Reihe" wegen des weißen lamierten Schutzumschlags genannt). In gleicher Ausstattung und Aufmachung liegen bereits seit langem Kommentare des Verlags zum Wasserhaushaltsgesetz (bereits in 6. Auflage; 7. Auflage in Vorbereitung), zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (in 3. Auflage; mit Nachtrag 1996), zum Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (in 2. Auflage), zum Umwelthaftungsgesetz, zum Umweltinformationsgesetz und - inzwischen allerdings veraltet - zum Abfallgesetz 1986 (in 2. Auflage) vor. Allen Werken ist der hohe Gebrauchswert für die praktische Arbeit eigen. Er resultiert aus der eindrucksvollen und überragenden Sach- und Fachkunde der Autoren, die zumeist bereits über langjährige Erfahrungen auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet verfügen, aus der wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden theoretischen Durchdringung des Stoffs und aus der Fähigkeit der Autoren, ihr immenses Fachwissen an den Leser weiter zu vermitteln. Alle diese positiven Eigenschaften zeichnen auch den Kommentar zum Bundesnaturschutzgesetz aus. Er schließt zudem eine allmählich als schmerzhaft empfundene Lücke, denn einen Kommentar gleicher Güte und Preislage zu diesem immer wichtiger werdenden zentralen Normenkomplex des Umweltrechts, noch dazu in dieser Vollständigkeit, gab es bisher am Markt nicht.

Besonders hervorzuheben ist das Bestreben der Autoren, die Vernetzung des Bundesnaturschutzrechts mit anderen Rechtsbereichen aufzuzeigen, insbesondere mit dem Recht der Landschafts- und Raumplanung. Besonders anschaulich wird das in der Kommentierung vor und zu den §§ 8a - 8c BNatSchG, die 1993 in das Gesetz eingefügt worden waren und der Harmonisierung von Baurecht und Naturschutzrecht dienen sollten. In Schrifttum und Rechtsprechung gerade auch der jüngsten Zeit spielt dieser Themenkomplex eine wichtige Rolle. Die bis zum Abschluß der Arbeit am Kommentar hierzu erschienene Literatur ist eingearbeitet und im Anschluß an die Kommentierung des § 8a BNatSchG nachgewiesen.

Die weitere Entwicklung des Umweltrechts wird in den kommenden Jahren vor allem auch durch integrative Rechtsetzungsakte sowohl auf europäischer (Stichwort: IVU-Richtlinie, FFH-Richtlinie) als auch auf nationaler Ebene (Stichwort: Umweltgesetzbuch) gekennzeichnet sein. Leitvorstellung dieser Entwicklung ist die einheitliche Vorhabengenehmigung in der u.a. über sämtliche Umweltbelange, die durch das Vorhaben berührt werden, entschieden wird (vgl. die §§ 80 ff. im Entwurf für ein Umweltgesetzbuch der Sachverständigenkommission beim BMU; vgl. insbesondere § 99 a.a.O.). Den Autoren ist diese Entwicklung bekannt. Sie gehen deshalb auch auf diese Problematik ein, soweit dazu bereits etwas gesagt werden kann. Lesenswert ist insoweit die Einführung vor § 1 BNatSchG. Mit Recht weisen die Autoren im Vorwort zum Kommentar darauf hin, daß ihr Werk über laufende Novellierungsbestrebungen hinaus seinen Wert und seine Bedeutung behalten werde, da es in erster Linie an Sach- und Entscheidungsstrukturen ausgerichtet sei. Diese aber sind als immanente Vorgaben auch künftig bedeutsam, unabhängig davon, in welchem geänderten Gewande das materielle Naturschutzrecht weiterleben wird.

Alles in allem liegt hier ein Kommentar vor, der größter Aufmerksamkeit durch das interessierte Publikum sicher sein kann und diese in allen Punkten rechtfertigt.

H. Zimmermann, Magdeburg (5.1.1998)

"Wasserbau in Beispielen" ist eine sehr nützliche Ergänzung der vorhandenen Wasserbau-Literatur. Die Beispiele wurden wie folgt gruppiert: Landschaft und Fließgewässer (u.a. Niederschlag und Abfluß in einem Einzugsgebiet, Bemessung eines Doppelprofils, Retention durch einen Speicher, Bemessung eines Dükers, Bepflanzung einer Flutrinne), Standgewässer (z.B. Feuerlöschteich mit Betondeckwerk, Ermittlung der Wellenhöhe, Eisbelastung eines Deckwerkes), Kanäle (z.B. Schiffahrt und Kanalquerschnitt, Belastung und Bemessung von Kanalsohlen, Schüttsteindeckwerk auf einer Kanalböschung), Grundwasser, Sickerwasser (z.B. Durchsickerung eines homogenen Dammes und seines Untergrundes, Suffosionsbekämpfung eines Erdstoffes, Hydraulischer Grundbruch einer Spundwand, Stauspiegelsenkung, Bemessung eines Brunnens) und Wasserbauten (u.a. Modernisierung eines Wehres, Hochwasserentlastungsanlage, Füllung einer Schleusenkammer, Entleerung einer Sparschleuse, Bemessung eines Schleusentores, Pfahlrostberechnung, Flußkraftwerk, Thermischer Eisdruck in einem Becken). Die Auswahl der Beispiele ist zwangsläufig subjektiv - der Schwerpunkt liegt naturgemäß bei der Hydraulik.

K. Lecher, Hannover (14.12.1997)

Die Schrift enthält die Ergebnisse einer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten, am Institut für angewandte Ökologie in Kirtorf-Wahlen durchgeführten Forschungsarbeit. Die neuartige Markierungs- und Registrierungsmethode erlaubt eine automatische Kontrolle der Wanderbewegungen von Fischen in Aufstiegsanlagen. Beschrieben werden neben den Komponenten der Passiven-Transponder-Technologie (elektronisches Kennzeichnungssystem, mit dem Fische individuell und schonend markiert werden können) auch der Projektablauf mit Labor- und Freilanduntersuchungen. Die Ergebnisdiskussion umfaßt die technischen und biologischen Resultate, Rückkehrquoten, Tag-Nacht-Aktivitäten, Verhaltensmuster im Becken- und im Rauhgerinne-Beckenpaß sowie die Dauer des Fischaufstiegs im Beckenpaß. Erwähnenswert sind darüber hinaus u.a. die im Anhang enthaltenen Hinweise für die Praxis, Bezugsquelle und Preis sowie die rechtliche Voraussetzung für die Markierung von Fischen und den Einsatz des FIT-(Fisch-Identifikations-Transponder-)Systems.

K. Lecher, Hannover (29.11.1997)